In vielen Städten und Gemeinden passiert es: Schulgebäude werden verkleinert, Räume umgewidmet oder an andere Nutzungen abgegeben – oft mit dem Verweis auf Haushaltszwänge oder angeblich sinkende Schülerzahlen. Als jemand, die seit Jahren mit Initiativen, Mieter:innen und Gewerkschafter:innen arbeitet, weiß ich: Das muss nicht einfach hingenommen werden. Schüler:innenvertretungen (SV) haben reale Hebel, um Schulraum-Umwidmungen zu verhindern oder rückgängig zu machen. Ich schildere hier konkrete Taktiken, rechtliche Ansatzpunkte und einen Mobilisierungsfahrplan, mit dem ihr als SV, Lehrkräfte und Eltern gemeinsam Druck aufbauen könnt.
Warum Schüler:innenvertretungen wichtig sind
Ich erlebe immer wieder, dass die Sichtbarkeit von Schüler:innen ein entscheidender Faktor ist. Eine gut organisierte SV ist nicht nur Sprachrohr, sondern kann Entscheidungsprozesse beeinflussen: durch Medienarbeit, durch juristische Einwände, durch Bündnisarbeit mit Eltern und Gewerkschaften und durch öffentlichkeitswirksame Aktionen. Schulraum ist mehr als Quadratmeter – es geht um Lernqualität, Teilhabe und Gerechtigkeit.
Taktiken, die funktionieren
Im Folgenden beschreibe ich Taktiken, die ich in unterschiedlichen Kampagnen als wirksam beobachtet habe. Wählt mehrere parallel statt nur einer Strategie:
Rechtliche Hebel: Was ihr prüfen solltet
Ich bin keine Anwältin, aber die Erfahrung zeigt, welche rechtlichen Ansatzpunkte regelmäßig Erfolg bringen:
Mobilisierungsfahrplan: Schritt für Schritt
Hier ein konkreter Ablauf, den ihr an eure lokale Situation anpassen könnt. Ich empfehle paralleles Arbeiten an mehreren Fronten — rechtlich, öffentlich und auf der Straße.
| Phase | Zeitraum | Konkrete Schritte |
|---|---|---|
| Analyse | 1–2 Wochen | Informationszugang beantragen, Betroffene identifizieren, erstes Faktenblatt erstellen |
| Netzwerkaufbau | 1–3 Wochen | Eltern, Lehrer:innen, lokale Gruppen ansprechen, Bündnis-Treffen organisieren |
| Öffentlichkeitsstart | Parallel ab Woche 2 | Pressemitteilung, Social-Media-Kampagne, Petition starten |
| Rechtliche Schritte | Ab Woche 3 (abhängig von Fristen) | Widerspruch einlegen, Rechtsberatung holen, ggf. Eilantrag vorbereiten |
| Aktionen & Verhandlungen | Woche 3–8 | Protestaktionen, Verhandlungsgespräche, politische Termine im Gemeinderat |
| Nachhaltige Sicherung | ab Woche 8 | Verträge prüfen, langfristige Schulraum-Politik fordern, kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit |
Checkliste für die SV
Diese Liste nutze ich oft in Workshops. Druckt sie aus oder speichert sie digital:
Erfolgsgeschichten (kurz)
Ich erinnere mich an eine Kampagne, in der eine SV mit klaren Zahlen zur Klassenraumbelegung, einer Petition und einem Medienvideo eine geplante Umwidmung eines praxisorientierten Raums stoppen konnte. Entscheidend war: transparente Zahlen, starke Elternbeteiligung und der frühzeitige Widerspruch. In einer anderen Stadt sorgte eine Kooperation mit der GEW und einer Mieter:innen-Initiative dafür, dass leerstehende Flächen für Schulnutzung statt für teure Sozialwohnungen vorgeschlagen wurden – weil die SV Alternativen präsentierte, die politisch anschlussfähig waren.
Praktische Tipps für Gespräche mit Politik und Verwaltung
Wenn ihr Unterstützung braucht: vernetzt euch mit anderen SVs in eurer Region, nutzt Plattformen wie Dielinke In Den Landtag, um eure Fälle sichtbar zu machen, und scheut euch nicht, lokale Abgeordnete mit klaren Forderungen anzusprechen. Schulraum ist ein Gemeingut – und mit strategischer Arbeit könnt ihr verhindern, dass er zum Kürzungsfeld wird.
Wenn ihr möchtet, könnt ihr mir eure Situation zuschicken; ich vernetze euch gerne mit Initiativen und gebe Hinweise, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.