Wenn Vermieter:innen oder Hausverwaltungen eine energetische Sanierung ankündigen, stehen viele Mieter:innen ratlos da: Muss ich zustimmen? Kann ich widersprechen? Welche Rechte habe ich? Ich schreibe hier aus Erfahrungs- und Rechercheperspektive, damit du genau weißt, welche Daten und Unterlagen du sammeln solltest, um eine angekündigte energetische Sanierung rechtssicher zurückzuweisen oder zumindest deine Position wirksam zu stützen.

Warum Daten sammeln?

Eine Modernisierungsankündigung ist in der Regel kein reines Informationsschreiben: Sie kann finanzielle Folgen (z. B. Mieterhöhung nach Modernisierungsumlage) und praktische Einschränkungen (Baulärm, Staub, vorübergehende Wohnungen) haben. Ich habe erlebt, wie sinnvoll es ist, systematisch Belege zusammenzutragen: Sie sind Grundlage für Widersprüche, für Gespräche mit Mieterverbänden oder Rechtsanwält:innen und können im Streitfall vor Gericht den Unterschied machen.

Welche Unterlagen und Daten sind zentral?

Im Folgenden liste ich die wichtigsten Dokumente, erkläre kurz den Nutzen und gebe Hinweise, wo du sie bekommst oder wie du sie produzierst. Sammle alles digital und in Papierform, mit Datum und ggf. Zeugen.

  • Schriftliche Modernisierungsankündigung – das ist das Ausgangsdokument. Es muss bestimmte Angaben enthalten (Art der Maßnahme, Beginn, Dauer, zu erwartende Kosten und die angekündigte Mieterhöhung). Ohne vollständige Angaben ist eine Ankündigung oft angreifbar.
  • Kommunikation mit Vermieter:innen – E-Mails, Briefe, SMS und Protokolle von Telefongesprächen: Je vollständiger, desto besser. Dokumentiere Datum, Gesprächspartner:in und Kernaussagen.
  • Energieausweis des Gebäudes – gibt Auskunft über energetischen Zustand und Einsparpotenzial. Wenn kein gültiger Energieausweis vorliegt, ist das ein starkes Argument gegen die Rechtfertigung großer Modernisierungskosten.
  • Letzte Betriebskosten- und Heizkostenabrechnungen – zeigen Verbrauch, Kostenverteilung und eventuelle Ineffizienzen. Vergleiche vorher/nachher oder mit ähnlichen Wohnungen.
  • Angebote und Kostenschätzungen der Handwerker:innen bzw. Firmen – falls dir vorgelegt oder angekündigt: Prüfe, ob die Preise marktüblich sind und ob alternative, weniger einschneidende Maßnahmen möglich sind.
  • Förderbescheide oder -anträge – wenn der Vermieter staatliche Fördermittel erhält, sollte das den Kostenanteil für die Mieterhöhung reduzieren. Auch hier: Belege sichern.
  • Fotos und Videos – vom Gebäudezustand (Fenster, Fassade, Heizanlage). Bilder mit Datumstempel helfen zu beweisen, ob Modernisierungsbedarf tatsächlich besteht oder ob der Zustand bereits akzeptabel war.
  • Zeug:innen – schriftliche Aussagen von Nachbar:innen, Hausmeister:innen oder Gewerkschafter:innen, die Zustand und Nutzung des Hauses bestätigen.
  • Gutachten oder Energieberatung – unabhängige Energieberater:innen (z. B. Verbraucherzentrale, zugelassene Energieberater) können kostengünstig Einschätzungen liefern, welche Maßnahmen wirklich sinnvoll sind.
  • Gewerke-spezifische Dokumente – Protokolle zur Heizungswartung, Schornsteinfegerberichte, Bauakten und Baugenehmigungen aus dem Rathaus.
  • Wie du die Daten strukturiert sammelst

    Ich empfehle eine einfache Ordnerstruktur (digital und Papier):

  • 01_Ankündigung_und_Kommunikation
  • 02_Energie_und_Abrechnungen
  • 03_Angebote_und_Kosten
  • 04_Fotos_und_Videos
  • 05_Gutachten_und_Berichte
  • Speichere digitale Dateien in PDF/JPG-Form, sichere regelmäßig auf einer externen Festplatte oder in einem verschlüsselten Cloud-Ordner (z. B. bei Nextcloud, Tresorit). Notiere Datum und Uhrzeit jeder neuen Eingabe – das wirkt im Streitfall professionell.

    Welche Angaben in der Modernisierungsankündigung geprüft werden sollten

    Wenn ich eine Ankündigung lese, achte ich besonders auf diese Punkte. Fehlt einer davon, kann die Ankündigung unvollständig oder rechtlich angreifbar sein:

  • konkrete Beschreibung der Maßnahme (nicht nur „energetische Sanierung“),
  • voraussichtlicher Beginn und Dauer der Arbeiten,
  • voraussichtliche Kosten und Verteilung auf die Mieter (z. B. 8 % Modernisierungsumlage in Deutschland),
  • Angaben zu Fördermitteln oder Zuschüssen,
  • Angaben, ob und wie Mieter:innen in Härtefällen entlastet werden sollen.
  • Praktische Beweismittel: Beispiele in einer Tabelle

    Dokument / BeweismittelWarum nützlichWoher / wie beschaffen
    EnergieausweisBelegt energetischen Ist-ZustandVermieter fordern, Kommune oder Verkäufer:innen können Kopie haben
    HeizkostenabrechnungZeigt Verbrauchsmuster und eventuelle EinsparpotenzialeVom Vermieter jährlich ausgehändigt
    Fotos (Fenster, Fassade, Dämmung)Visueller Zustand, zeitgestempeltSmartphone, Foto-App mit Datum
    Angebote von FirmenVergleich von Kosten und UmfangAnfragen bei mehreren Handwerksbetrieben
    Gutachten EnergieberaterUnabhängige Einschätzung, AlternativmaßnahmenVerbraucherzentrale, zugelassene Energieberater

    Tipps für widerspruchsfähige Argumente

    Wenn du eine Sanierung ablehnen möchtest oder eine Anpassung forderst, sind diese Argumente oft wirksam:

  • Unklare oder unvollständige Kostenangaben – fordere Aufschlüsselung;
  • kein Nachweis über Fördermittel – bitte um Einsicht in Bescheide;
  • unzureichende Begründung der Maßnahme im Hinblick auf konkreten Energieeinsparbedarf;
  • sozialverträgliche Alternativen nicht geprüft – z. B. Austausch einzelner Heizungskomponenten statt teurer Fassadendämmung;
  • Härtefallregelungen für ältere oder einkommensschwache Mieter:innen nicht berücksichtigt.
  • Wer kann helfen?

    Du musst das nicht allein stemmen. Ich arbeite oft mit folgenden Stellen zusammen und empfehle, frühzeitig Kontakt aufzunehmen:

  • Mieterverein / Mieterbund – bieten Rechtsberatung, Musterbriefe und Unterstützung;
  • Verbraucherzentrale – Energieberatung, Bewertung von Angeboten;
  • Gewerkschaften und soziale Beratungsstellen – unterstützen beim Thema Härtefälle und Mobilisierung;
  • Anwält:innen für Mietrecht – bei komplexen Fällen oder wenn es zu einer Klage kommt.
  • Was ich persönlich immer empfehle

    In meinen Fällen hat es sich bewährt, früh und organisiert zu reagieren: Schon ein formaler Widerspruch mit der Bitte um vollständige Kostentransparenz und Einsicht in Gutachten zwingt Vermieter:innen oft, nachzubessern. Parallel die Energieberatung in Anspruch nehmen – diese neutralen Einschätzungen entkräften pauschale Behauptungen über den dringenden Modernisierungsbedarf häufig.

    Und noch etwas: Dokumentiere jede Unannehmlichkeit durch die Ankündigung (z. B. Umzugskosten, gesundheitliche Belastungen durch Staub) – solche Angaben sind später wichtig, wenn es um Härtefallregelungen geht.

    Wenn du möchtest, kann ich dir beim Formulieren eines Muster-Widerspruchs helfen oder eine Checkliste zum Download zusammenstellen. Auf unserem Blog Dielinke In Den Landtag sammeln wir außerdem lokale Beispiele und Erfahrungen – schreib mir gern deine Situation, damit wir andere Mieter:innen mobilisieren und voneinander lernen können.